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Dissertation: Michael Behringer


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Dissertation: Michael Behringer

Dissertation / Doktorarbeit / Thesis

Deutsche Sporthochschule Köln
Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik
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Behringer, Michael (2012): Biomedizinische Grundlagen zum Krafttraining im Kindes- und Jugendalter

Zusammenfassung:
Zusammenfassung:
Entgegen früherer Befürchtungen, bewerten aktuelle Positionspapiere der American Academy of Pediatrics (AAP), des American College of Sport Medicine (ACSM) oder der National Strength and Conditioning (NSCA) ein Training im Kindes- und Jugendalter einheitlich als effektiv und sicher. Demgegenüber stehen nationale Lehrbücher, welche noch immer die tradierten Vorstellungen wiedergeben sowie eine rudimentäre Einbindung von Krafttraining in zahlreichen Rahmentrainingsplänen für den Nachwuchsleistungssport. Das bedeutet wir hinken der internationalen Entwicklung in diesem Bereich um etwa 20 bis 30 Jahre hinterher. Daher war es das primäre Ziel der vorliegenden Arbeit, die vorhandene Datenlage im Bezug auf dieses Thema zusammenzutragen und etwaige Forschungsdesiderate herauszustellen.
Die Analyse von 69 Interventionsstudien zeigte, dass Krafttraining über alle Altersgruppen hinweg effektiv ist und die gewonnen Kraftzuwächse durchaus mit denen von Erwachsenen verglichen werden können. Einige Autoren fanden für präpubertäre Kinder sogar größere Zuwächse als in späteren Reifestadien. Die mittlere auxotonischen, isokinetischen und isometrischen Kraftzuwächse lagen bei 31,6% (23 Studien), 20.1% (6 Studien) und 26,3% (17 Studien). Bislang haben nur wenige Studien (n = 7) ihre Ergebnisse für weibliche Probanden isoliert angegeben. Da diese Studien widersprüchliche Ergebnisse zeigten, kann aktuell nicht abschließend beurteilt werden, ob die Muskelkraft von Mädchen weniger trainierbar ist als die von Jungen.
Da einige Studien trotz signifikanter Kraftverbesserungen bei präpubertären Kindern keine Muskel-hypertrophie nachweisen konnten, werden die Kraftzuwächse bei Kindern in der Regel einer verbesserten neuromuskulären Aktivierung zugeschrieben. Ein Großteil der zugrundeliegenden Studien nutzte jedoch ungenaue Messmethoden, um die strukturellen Veränderungen zu erfassen. Im Gegensatz dazu fanden die wenigen Studien, welche präzisere Messmethoden verwendeten, auch bei präpubertären Kindern eine signifikante Zunahme des Muskelwachstums. Darüber hinaus existieren nur wenige Studien, welche die oben genannte Annahme stützen, dass vornehmlich neuromuskuläre Veränderungen für die Kraftzuwächse verantwortlich sind.
Entgegen der Befürchtungen, die mit einem Krafttraining im Kindes- und Jugendalter verbunden waren, ist zu sagen, dass es sich hierbei um eine risikoarme Trainingsform handelt. Neben der Tatsache, dass bislang in keiner einzigen prospektiven Studie die häufig befürchtete Schädigung der Epiphysenfugen beobachtet werden konnte, fanden sich auch in den 69 analysierten Studien lediglich zwei leichte Verletzungen. Ganz im Gegensatz dazu lassen sich vermehrt Studien finden, welche positive Effekte auf die Gesundheit beschreiben. Dazu gehören u.a. eine vermehrte Knochenmineralisation, eine verbesserte Körperzusammensetzung und positive Effekte auf die Psyche.
Insgesamt kann zwar gesagt werden, dass Krafttraining während der Kindheit und Jugend effektiv ist, jedoch sind die zugrundeliegenden Mechanismen der Kraftzuwächse in großen Teilen noch unbekannt.

Abstract:
In contrast to earlier concerns, current position statements of the American Academy of Pediatrics (AAP), the American College of Sport Medicine (ACSM), or the National Strength and Conditioning (NSCA) Association unequivocally state resistance training in children and adolescents to be effective and save. However, national textbooks and training guidelines still contain those outdated opinions that could be found in position paper from the AAP in the late 1980s. That is, we lag behind the international doctrine in this field of research for about 20 to 30 years. Therefore, the primary aim of the present study was to review the currently available data concerning this topic and to outline any desideratum for further research.
The analyses of 69 interventional studies revealed that resistance training is effective over all age groups and that strength gains in children and adolescents were comparable to those from adults. Some authors even found greater improvements for prepubertal children compared to those in later stages of puberty. Mean auxotonic, isokinetic, and isometric strength gains were 31.6% (23 studies), 20.1% (6 studies), and 26.3% (17 studies) respectively. Due to the small number of studies (n= 7) presenting data for female subjects and due to their conflicting results, it is currently impossible to state whether girls muscle strength is less trainable.
Due to the fact that some of the previously published studies failed to detect muscle hypertrophy despite significant improvements in muscle strength, prepubertal strength gains are usually attributed to enhanced neuromuscular activation. However, the majority of those studies used imprecise methods, like anthropometric circumference measurements, to detect structural adaptations. By contrast, the few available studies using more precise methods like ultrasound were able to detect hypertrophy in prepubertal children. Furthermore, there is only little evidence to support the assumption that neuromuscular changes are responsible for the observed strength gains.
Against the early concerns associated with resistance training in children and adolescents, it can be stated that the risk of this exercise type is very low. Besides the fact that the frequently feared damage of the growth plate has never been reported by any prospective resistance training study, only two minor injuries were found to be noted in the 69 analyzed studies. By contrast, there is growing evidence that resistance training during childhood and youth is associated with different kind of health benefits, like enhanced bone mineral density, improved body composition, and psychological health.
Even though it can be stated that resistance training is effective and save during childhood and youth, it must be stated that the underlying mechanisms of strength gains are largely unknown.


14.12.2017 - 03:16